26. Mai 2020
   



Tahiti, Moorea,  Raiatea, Tahaa, Bora-Bora und der König von Tonga
 



Tahiti, Moorea,  Raiatea, Tahaa, Bora-Bora und der König von Tonga
 
  Society   minimieren

 
entgegen unserem festen vorsatz geben wir in papeete ein vermoegen aus. zu verlockend sind die kuehlvitrinen, obst und gemuesestaende und die glitzernden auslagen. die preise sind weit ueber dem europaeischen niveau. die transportkosten von uebersee erscheinen uns nur eine teilweise erklaerung dafuer. vielleicht liegt die ueberteuerung an der franzoesischen kolonialpolitik. auch um den protest gegen die atomversuche in den tuamotus zu unterwandern, wurden und werden unsummen an subventionen und ueberhoehte gehaelter an beamte bezahlt. damit sind die franzoesichen inseln gut versorgt und echte armut sieht man kaum (ganz im gegenteil zu den ehemaligen englischen und spanischen kolonien). trotzdem oder vielleicht gerade deshalb gibt es nur wenig landwirtschaft und industrie und es wird praktisch alles importiert. viele haende scheinen da mitzuverdienen und die endverbraucher duerften an das preisniveau gewoehnt sein. so kostet zum beispiel ein halber liter coca-cola im supermarkt zwei us-dollar oder ein hinano – bier (das ist die billige einheimische marke) zwei dollar fuenfzig. trotzdem sieht man die leute kistenweise getraenke zum nahe geparkten chrom-glitzernden allrad-wagen fuehren.

ein weiteres beispiel fuer die preispolitik: wie schon berichtet hatte der druckerkopf unseres pc-druckers den geist aufgegeben und wir wollen einen neuen besorgen. alles moeglich, in papeete gibt es eine canon-servicestation, das problem alleine ist der preis. der druckerkopf kostet hier doppelt so viel wie der gesamte drucker vor zwei jahren beim mediamarkt im seeligen voesendorf und wir alle wissen, dass die preise fuer hardware von tag zu tag sinken. bei soviel unverschaemtheit beschliesse ich unsere detailkarten weiterhin vom bildschirm abzumalen.

nur eines leiste ich mir: so viele haben uns aufgrund unseres letzten mails wegen der hula – hula- maedchen zweideutige antworten geschrieben, dass ich nicht widerstehen konnte und in einer dunklen seitengasse im hafenviertel von papeete die bestangelegten zweihundert dollar unserer reise einer aufreizenden, jungen dame uebergebe (keine angst mama, ich mach' nur einen scherz).

die meisten yachten liegen nicht mehr im schmutzigen hafenbecken von papeete, sondern in der lagune vor dem maewa-beach-hotel. auch wir haben hier unseren haken fallen lassen. von dort kann man problemlos mit "le truck" in die stadt fahren und alles notwendige erledigen. "le truck" sind mittelgrosse lastwaegen, die anstelle der ladeflaeche einen selbstgezimmerten holzaufbau haben in dem die passagiere auf langen holzbaenken, die paralell zur fahrtrichtung montiert sind, sitzen. der fahrer ist fuhrwerksunternehmer, schaffner und chaffeur in einem. das ganze funktioniert  bestens und die buntbemalten holzautobusse sind ein weiterer lustiger farbklecks in der exotisch - tropischen stadt.

alle yachten, die in franzoesisch-polynesien kreuzen, muessen die zoll- und passformalitaeten in papeete erledigen. daher liegen hier viele schiffe und nur wenigen gelingt ein schneller absprung trotz der besten vorsaetze. viele der schiffe sind uns bekannt und die yachtykolonie erinnert an ein multikulturelles dorf in dem jeder jeden kennt. staendig kommt jemand auf einen kurzen tratsch vorbei (was kontinuierliches arbeiten am schiff fast unmoeglich macht) oder man wird auf ukw gerufen. der weg vom dinghi-anleger zur autobusshaltestelle wird zum plauderspiessrutenlauf. mit jedem will man ein kurzes schwaetzchen halten oder trifft leute, die man schon ewig nicht gesehen hat und schwups ist der vormittag schon vorbei und die geschaefte haben bis zum spaeten nachmittag geschlossen. am abend gibt es echtes "socialising", wie die amerikaner sagen. man trifft sich auf den schiffen oder bei potluck-parties am strand. lustigstes fest war eine "motor-wieder-in-ordnung-party" auf einem 38 fuss-schiff mit gezaehlten einundzwanzig gaesten und einem riesenpot chilli con carne. vielleicht sind die ausgelassene stimmung und die vielen feste auch ein kleiner ausgleich fuer die langen seepassagen?

seit  jahren wuenschen wir uns einmal einen wal zu sehen. noch nie ist es uns gelungen einen aus der naehe zu beobachten. wir konnten buckel und einen weit entfernten blas erahnen, aber immer war das mehr ein erraten als wirkliches erkennen. doch in der grossstadtlagune von papeete schwimmt eines abends ploetzlich ein ungefaehr zwoelf meter langer orca zwischen den schiffen herum und sucht scheinbar den weg zum pass durch das riff. maechtig blaest er und schwimmt zum anfassen nahe an uns vorbei. wir koennen es kaum glauben, aber wir haben unseren ersten wal am ankerplatz gesehen.

anna war von dem anblick des maechtigen tieres beeindruckt und konnte sich gar nicht losreisen. vollkommen fasziniert von der gigantischen natur steht sie da und kratzt sich geistesabwesend die beine. wir sind alarmiert, denn schon seit zwei, drei wochen konnten wir kleine wunden an annas beinen bemerken, die nicht heilen wollten. wir vermuten eine streptokokken-infektion. die notwendigen antibiotischen medikamente liegen in unserer bordapotheke, aber da in papeete die medizinische versorgung gut ist, bringen wir die kleine prinzessin zu einem dermatologen. der bestaetigt unsere vermutung und wir beginnen mit einer zehntaegigen antibiotikakur.

streptokokkeninfektionen kommen in den tropen relativ hauefig vor und gerade kinder scheinen dafuer besonders anfaellig zu sein. ueber kleine wunden gelangen die bakterien in den koerper. haben sie sich entsprechend vermehrt, platzt die haut an den unterschiedlichsten stellen auf und die wunden verheilen nicht mehr. anna spricht auf das medikament aber sehr gut an und nach wenigen tagen kann sie wieder froehlich im wasser plantschen und auf der idemo gibt es eine neue regel: auch der kleinste kratzer muss desinfiziert und verbunden werden!

die krankheiten der IDEMO sind komplizierter. die fehlersuche an unserem leckenden getriebe erweisst sich als schwierig. man kann einfach nicht erkennen wo das oel verloren geht. ausserdem sind ersatzteile in tahiti nur langfristig zu besorgen. wir decken uns daher reichlich mit getriebeoel ein und verschieben die reparatur auf die hurricanpause in neuseeland.

da auch der sparsamste dieselmotor treibstoff braucht, verholen wir uns an einem der naechsten tage an die kleine tankstelle der maewa beach marina. alles funktioniert bestens. ingrid manoevriert idemo perfekt an den schwimmsteg und nachdem wir treibstofftank (zollfrei!!) und wassertanks gefuellt haben, legen wir wieder ab, auch das funktioniert bestens, doch als ingrid vorwaertsschub geben will, tut sich nichts. einfach nichts. idemo treibt langsam richtung megayachtensteg der marina. mehrere millionen dollar warten auf die vernichtung durch ein kleines, rotes stahlschiff. blitzschnell lassen wir unsere neu reparierte genua ausrollen, doch der bug steht genau im leichten wind und die riffstroemung nimmt uns weiter mit richtung der vier fein lackierten millionaersspielzeuge. fuer den preis einer neulackierung eines dieser 35 meter schiffe, koennten wir wahrscheinlich eine nagelneue idemo kaufen. da springt ingrid runter zum ukw-geraet und ruft um hilfe. wie von geisterhand gesteuert tauchen in sekundenschnelle 10, 15 dinghis auf, die sich idemo mit hoher geschwindigkeit sternfoermig naehern. der ansturm ist fast zu gross. doch ohne worte macht jeder das richtige. der bug wird durch den wind gedreht, zwei dinghis rechts und zwei dinghis links festgebunden, einige machen druck von hinten und ein haufen bleibt zur sicherheit in der naehe. langsam schieben wir uns richtung offenes wasser. ohne probleme koennen wir unseren anker werfen und sogar einfahren. der muss jetzt super gut halten, da wir uns im notfall nicht bewegen koennen. ein kurzes dankeschoen an die vielen gesichter rundherum und ich sitze schon im motorraum. der schaden ist schnell lokalisiert. der flansch am getriebe hat sich geloest und die welle, die den probeller mit dem getriebe verbindet steht wieder einmal im freien. nur eine schraube sichert den flansch am getriebe und die hat sich geloest - zwanzig zentimeter hinter dem teil, das sich am atlantik verabschiedet hat. nachdem alles wieder an seinem platz ist und diesmal hoffentlich besser gesichert, koennen wir vorerst einmal feststellen, dass sich auch der uebermaessige oelverbrauch gelegt hat. das ist wie ein kleines wunder. aber wir haben noch zeit fuer eine langzeitstudie bis neuseeland.

da gibt es wieder etwas am funk zu erzaehlen. noch dazu wo ingrid jetzt net-operater auf dem deutschsprachigen "regenbogennetz" ist. alle sechs tage verwandelt sich die idemo zum funkstudio. ingrid startet jetzt schon ganz professionell, fuer jeweils drei tage lang, mit den worten "guten abend in die runde, hier ist das regenbogennetz fuer yachten im suedpazifik!" das netz. es ist mit deutscher gruendlichkeit gut aufgezogen und sogar einen meterologen gibt es. wir schaetzen, dass dreissig bis vierzig yachten regelmaessig auf frequenz sind, deutsche, schweizer, hollaender und eine oesterreichische yacht - eben die idemo. das sind nicht viele zuhoerer, aber dafuer ist das einzugsgebiet umso groesser (sidney – panama entspricht der stecke moskau – new york). und sogar bobby schenk auf THALASSA meldet sich immer wieder. ich kann es kaum glauben, ingrid sagt mit einem laessigen "bobby, go ahead" dem beruehmten deutschen fahrtensegler wann er sprechen darf. ich hab schon immer gewusst, dass aus der smaha einmal was wird. fuer die, die den bobby schenk nicht kennen sei erklaert, dass ist ungefaehr so, als wuerde man als durchschnittlicher gitarrenspieler mit bob dylan ein staendchen geben oder vielleicht ist ein vergleich mit dem ostbahn-kurti treffender (fuer die segler unter euch, auch die OLE HOOP mit johanna und klaus noelter gehoert zu den fans). beschliessen darf das netz immer anna. obwohl es gibt natuerlich auch ein kids-net! jeden morgen um 2200 utc treffen sich die kinder der verschiedensten nationen auf 4057 khz, beim moby-dick-netz.

auf ankerplaetzten mit so vielen schiffen wie in papeete, sieht man die kinder mit videokassetten und dvd's von viedeorecorder zu videorecorder ziehen, nur halt nicht mit dem fahrrad, sondern mit dem dinghi. wir sind ueberrascht wie viele yachten fernseher an bord haben, natuerlich nicht nur fuer die kinder, sondern auch fuer die erwachsenen. da wird heftig getauscht und ausgeliehen, denn meistens ist es schwer an filme in der entsprechenden sprache zu kommen. doris von der MOONWALKER hat uns eine lustige geschichte erzaehlt: sie sind alleine in einer bucht gelegen, als am spaeten nachmittag eine grosse yacht aus luxemburg einlief. doris stellte sofort mit kennerblick fest, die haben sicher viele gute videos zum tauschen. sie geht also an die funke. der skipper gibt vor gut deutsch zu sprechen, daher einigt man sich die konversation auf deutsch zu fuehren. doris hat sechs ihrer besten videofilme in der hand und moechte ein gegenangebot hoeren, sie verkuendet: "wir haben sechs movies – wirklich gute und wuerden gerne tauschen". da kommt ploetzlich eine schimpforgie durch den lautsprecher. der skipper habe sich sex und drogen schon laengst abgewoehnt und er koenne das alles auch der jungen frau empfehlen. doris stammelt, die titel ihrer filme runter und stellt klar, was ihr anliegen war, aber das hilft alles nichts, der mann glaubt ihr nicht.

besonders lustig sind videoabende auf amerikanischen schiffen. so wie man bei uns zum kartenspielen laedt, bekommt man eine einladung zu einem videofilm auf "ami" – schiffen". da werden zuerst kleine snacks gereicht und dann die mega boxen aufgebaut. der mikrowellenherd piepst, sobald das popcorn fertig ist. kurz wird noch ueber das letzte schnorchelabenteuer geschnattert, doch dann geht’s los. action-dvd's flattern ueber den flatscreen und niemand findet etwas dabei, dass kleine kinder in der fussfreien reihe sitzen. wir koennen uns nur wundern und fragen jetzt immer diskret, was denn fuer ein film gezeigt wird. wir wollen anna einfach vor dem ganzen mist noch eine kurze zeit bewahren, ihr zeigen, dass die reale welt doch etwas freundlicher ist und, dass gewalt nicht die antwort auf alles sein kann. auf der anderen seite ist es fuer schiffe aus dem angelsaechsischen sprachraum unverstaendlich, dass anna und manchmal auch ihre eltern nackt auf dem schiff herumlaufen (ueber ein befreundetes hollaendisches schiff haben wir gehoert, "oh, i know them, these are the people who have not enough money for to buy clothes").

zwischen all den yachten sieht man immer wieder grosse, bunte auslegerkanus durch die lagune pfluegen. um die zehn maenner oder frauen paddeln mit atemberaubendenm tempo durch das tuerkisfarbene wasser. blitzschnell werden die ruder im gleichtakt von seite zu seite gewechselt. das scheint ein richtiger breitensport zu sein der von der putzfrau bis zum manager betrieben wird und jedes jahr werden meisterschaften mit grosser beteiligung ausgetragen. manchmal werden von den grossen hotels kanutrips veranstaltet. das sieht dann allerdings nicht mehr so elegant aus. runde weisse koerper, mit hochroten koepfen paddeln unrythmisch in schlangenlinien durch das ungewohnte element.

von papeete kann man sich einfach schwer trennen. tahiti ist eine wunderschoene insel. das warenangebot ist nahezu unbegrenzt und nicht zuletzt ist es eine sichere stadt. vorbei sind die suedamerikanisch – karibischen zeiten wo man staendig um sein leben oder zumindest die geldboerse bangen musste. vorbei die geschichten von piraten und strassenrauebern. man kann am abend in einer stadt spazierengehen. ein voellig neues gefuehl fuer die idemos.

wir machen uns aber auf den weg richtung westen. unser naechstes ziel ist moorea. steilaufragende berge mit kleinem strand und einem schuetzenden wallriff. es sieht einfach traumhaft aus. suedsee pur. ausgedehnte wanderungen und das erkunden der insel stehen auf dem programm, aber die unterwasserwelt ist das faszinierendste. die lokale tauchschule hat haie und stachelrochen im freien wasser angefuettert. die genaue position ist uns schon seit wochen bekannt. wir decken uns mit brot ein und fahren mit dem dinghi durch die lagune von moorea. ein erlebnis fuer sich. an dem "geheim-platz" angekommen, wimmelt es von stachelrochen mit einer spannweite von 1 – 1,5 metern. sobald wir ins wasser springen, umringen uns die tiere - an dem mitgebrachten brot haben sie allerdings kein interesse. anna kann die rochen beruehren, sie sind vollkommen friedlich, den kontakt mit menschen scheinbar gewoehnt. als zwei haie auftauchen, wird ingrid nervoes aber auch die wollen nur fischabfaelle und sobald sie bemerken, dass wir nur brot mithaben, verschwinden die burschen wieder.
am nachmittag finden wir uns zum sundowner auf der AVALON ein. wir unterhalten uns ueber einen funkspruch, den wir 20 minuten davor abgehoert haben und der sicher ein gutes beispiel fuer den streit um die interessensgebiete im pazifik ist.

der kontakt begann auf kanal 16, dem noch immer benutzten not- und anrufkanal fuer ukw geraete.
"fishingboat, fishingboat on my starboarside, this is a french warship, this is a french warship, please give me your indentification", keine antwort. nach dem dritten anruf, man merkt schon den aerger in der stimme vom deck der franzosen, kommt eine antwort vom fischerboot und man einigt sich auf kanal 72 zu wechseln. IDEMO folgt natuerlich, alle postgeheimnisse ueberschreitend. leider versaeumen wir die antwort auf die frage nach der nationalitaet des fischerbootes. der folgende gespraechsablauf ist lueckenhaft, dafuer aber kabarettreif. die franzosen wollen wissen, wieviele leute an bord sind. der kapitaen des fischerbootes antwortet: "give me one minute, i have to count them". zwei minuten funkstille. "we have eleven people on board". die franzosen antworten widerstrebend korrekt: "ok sir, do you know that you are fishing in french territory?" kurze funkstille, dann kommt antwort von der anderen seite "why, is the fish speaking french?" man kann richtig fuehlen, dass die franzosen vor wut platzen, sich aber an den eingedrillten ablauf halten wollen. "friendship (wir kugeln uns bereits vor lachen, als wir den namen hoeren), stop your engine, we are sending a boat". das fischerboot verspricht die maschinen zu stoppen. zwei minuten spaeter sind die franzosen ziemlich veraergert: "sir, you didn't stop your engine, stop it now emediately!", "sorry, I stop it now", wieder kein erfolg - nach einigen minuten, die franzoen sind jetzt aber wirklich grantig und versprechen dem fischerboot eine vor den bug zu knallen, wenn sie nicht sofort die maschinen stoppen! kein erfolg, das kriegsschiff startet einen letzten versuch: "sir,... I am countig now down", die fischer drohen mit ihrem anwalt, (das kommt uns in der weite des pazifiks etwas wirklichkeitsfremd vor) und dann geht' s los "five, four, three, ....", wir koennen es ja nicht krachen hoeren, aber jedenfalls scheint das kriegsschiff auf dem laengeren ast gesessen zu sein und wir koennen erahnen, dass die fischer geentert und die franzoesischen hoheitsrechte geschuetzt wurden.

von diesem spass scheinbar voellig durcheinander, steigt ingrid ins dinghi um auf die IDEMO zu duesen und dort das brot aus dem rohr zu holen. sie beeilt sich, denn sie hat angst von der ausgelassenen stimmung zuviel zu verpassen. vielleicht hatte sie auch schon ein oder zwei sundowner, wer weiss? jedenfalls vergisst sie den aussenborder abzustellen, bleibt mit dem fuss am gashebel haengen und schon stellt sich unser tapferes dinghi auf, der motor haeult auf, die schraube wurlt im wasser und ingrid kann sich nur durch einen gewagten kopfsprung in sicherheit bringen. das dinghi rast fuehrerlos unter vollspeed durch den ankerplatz, macht einen grossen bogen und katapultiert sich mit der nase genau in unser schoenes rotes schiff. in der zwischenzeit habe ich mit jim von der AVALON eine vergebliche rettungsaktion gestartet, wir hocken mit staunenden augen in seinem kleinen dinghi und koennen es kaum glauben. nichts ist passiert. das wildgewordene beiboot hat sich durch korallenbloecke und ankerlieger durchgeschlaengelt und von unserem eigenen boot abgestoppt. durch den heftigen aufprall wurde der antrieb aus dem wasser geschleudert und ingrid braucht nur mehr hinzuschwimmen und den motor abzustellen. allerdings hat sie weiche knie und ist natuerlich patschnass.

mit wundervollen zwischenstops auf raiatea und tahaa hangeln wir uns weiter zur naechsten trauminsel bora bora. am weg dorthin haben wir einen besonders aufmerksamen schutzengel. schon die ganze nacht hat uns eine schubstange der ruderanlage genervt. der gummiueberzug war aus unerfindlichen gruenden abgebrochen und seitdem schlaegt die stange alle zehn sekunden mit einem lauten dong gegen eine querverstrebung. mit dem ersten tageslicht wollen wir dem nervigen gerauesch auf die spur gehen. wie immer steuert brav unsere windsteueranlage und die hauptruderanlage ist festgesetzt. ingrid und ich haengen in den eingeweiden von idemo, anna sitzt mit einem buch und einer schuessel kakaoflakes im salon. mit chirurgischem geschick versuche ich den ueberzug an seinen alten platz zu bringen. das erfordert aber ausdauer und geduld und hin und wieder entrutscht mit ein lautes "schei...". ingrid kommt die ruhe im salon verdaechtig vor und sie will kurz checken was mit anna los ist. ich fummle weiter am gestaenge der ruderanlage herum. ploetzlich bewegt sich diese und meine finger sind dazwischen. fluchend und schimpfend stuerme ich ins cockpit. gerade noch rechtzeitig um jedes haar der augenbrauen eines fremden mannes zu erkennen. nur zwanzig zentimeter neben uns zieht ein anderes segelboot, ebenfalls gesteuert von einer windfahne, in entgegengesetzter richtung an uns vorbei. grosse, fremde, augen starren mich an. ingrid steht am steuer und hat die situation im griff, hat uns im letzten moment vor einer katastrophe bewahrt. der skipper des anderen schiffes steht im niedergang, eigentlich noch meilenweit von seinem ruder entfernt, aber ebenfalls etwas ueberrascht. da bleibt keine zeit fuer erklaerende worte oder noch den namen des anderen schiffes zu lesen. meine knie sind ziemlich weich. aus reinem zufall hatten wir vorfahrt, vielleicht waeren wir auch etwas stabiler gewesen, denn das andere schiff war aus gfk, aber auf jeden fall waere bei einem zusammenstoss einiges kaputt gegangen.
in bora bora finden wir einen wunderbaren ankerplatz hinter einem kleinen bilderbuch-motu. die tage hier vergehen wie im flug, schnorcheln in der wunderbaren lagune, bordroutine und am abend gibt’s meistens fisch gebraten am lagerfeuer. so richtig romantisch wird’s wenn alf von der FREEDOM FARGO zu seiner gitarre greift und die alten "hadern" spielt (immerhin ist er im zivilen leben studiomusiker). dazu wird eine frisch geerntete trinknuss zur haelfte mit rum gefuellt und im kreis gereicht. das ist traumhafte lowbudget abendunterhaltung.
bora bora ist eine hoch herausragende insel mit einem fast kreisrunden saumriff, eigentlich sieht die insel so aus wie kinder eine suedseeinsel zeichnen wuerden. den steilen, von dichtem urwald umwucherten berg kann man besteigen. wie wir erfahren, ist die sache aber nicht ganz einfach, und ingrid und doris von der MOONWALKER koennen mich ueberzeugen, dass es besser ist die kinder bei der "ersatzoma" edith von der JOEKE zu lassen. edith freut sich auf den tag mit den kleinen und ihr ehemann michael schliesst sich dem bergsteigertrupp an.
bergsteigertrupp ist nicht uebertrieben, denn jeder von uns hat eine lange schot im rucksack stecken. mit diesen leinen wollen wir uns an den schwierigen stellen gegenseitig sichern und das klettern etwas leichter machen. so werden unsere leinen, die noch selten ueber meeresniveau waren, auf luftigen 700 meter zum einsatz kommen. der schweisstreibende aufstieg durch tropische vegetation und ueber steile felsen, wird zum anstrengenden aber auch beeindruckenden erlebnis. die aussicht vom gipfel ist wunderbar. man kann von einem punkt aus die ganze insel samt lagune ueberschauen. in allen nur erdenklichen gruen- und blautoenen schimmert das glasklare wasser zu uns herauf. die wellen brechen sich am das atoll schuetzenden wallriff und kokospalmen saeumen die weissen sandstraende. eigentlich ist das szenario zu kitschig um wirklich schoen zu sein. wir koennen uns kaum sattsehen. auch beim abstieg sind wir froh unsere genua- und blisterschoten mitgebracht zu haben. als wir am abend an der holprigen strasse vor der kirche sitzen, jeder eine flasche hinano bier in der hand, und unser bergabenteuer nochmals besprechen sind wir so richtig stolz auf uns.

bora bora ist faszinierend und schoen. hier werden suedseetraeume war. doch wie immer draengt uns auch hier die zeit. wir kaufen noch schnell einige lebensmittel beim chinesischen greisler und bunkern etliche gruene trinknuesse (jeden tag kommen zwei in den kuehlschrank, am naechsten tag bohre ich mit der black&decker drei kleine loecher, in die wir einen gruenen, einen roten und einen rosa farbenen strohalm stecken und fertig ist der perfekte hochsee-erfrischungsdrink in thermoverpackung). wir verholen uns zum bora bora yachtclub (geleitet von dem salzburger peter), fuellen unsere tanks mit wasser und dann geht’s los. beim ankeraufgehen erleben wir allerdings eine kleine ueberraschung. die wasserleitung, die das bora-bora luxusresort mit der hauptinsel verbindet, haengt an unserem buegelanker. ein gewicht, das die leitung unter wasser beschweren soll, hat sich total um kette und anker verschlungen. mit einer riesigen zange bewaffnet, tauche ich hinunter und nach einigen versuchen gelingt es mir, die wasserversorgung der betuchten gaeste (500 us-dollar pro nacht und person) zu retten und wir koennen endlich aufbrechen.

auf dem weg richtung westen durchqueren wir die weit auseinander liegenden cook-inseln. geplant war ein zwischenstop auf dem winzigen atoll palmerston. doch unerwartete westwinde machen ein ankern vor dem atoll unmoeglich. so ziehen wir nach langen sechs tagen unverrichteter dinge weiter. besonders anna ist enttaeuscht, denn jetzt werden wir ihren geburtstag auf see feiern. am morgen des 17. september singen also nur ingrid und ich ein happy birthday fuer anna. im umkreis von vielen hundert meilen gibt es nur wasser und keine menschen. vor meinem geistigen auge kann ich uns aus der vogelperspektive sehen. hohe, schauemende wellen, unendlich weites blaues wasser und mitten drinn eine kleine rote nussschale, in der ein kleines maedchen geburtstag feiert. doch der salon ist geschmueckt und ingrid zaubert einen tollen kuchen mit kerzen und wir haben schoen verpackte geschenke. die grosse ueberraschung gibt es am abend ueber funk. viele, viele schiffe melden sich und wuenschen anna alles gut zum geburtstag. die gratulantenreihe will gar nicht aufhoeren, es sind sogar leute dabei, die nur anna kennt. alle wollen ihre glueckwuensche loswerden. so wird das ein schoener und hoffentlich unvergesslicher sechster geburtstag fuer unser jetzt schon so grosses maedchen.
 
auf dem weg richtung tonga liegt die winzige koralleninsel niue genau auf unserer kurslinie. das seehandbuch spricht von einem der besten tauchreviere der welt, freundlichen menschen, billigem neuseelaendischen bier und einem hundsmiserablen ankerplatz. trotzdem wollen wir einen kurzen zwischenstop wagen. nun, der kurze zwischenstop dauerte vierzehn tage aber wir konnten uns von der wunderbaren insel und seinen freundlichen und warmherzigen bewohnern einfach nicht losreisen.

n
iue hat nur 1650 einwohner und jedes jahr werden es weniger, da viele junge leute die insel verlassen um arbeit in neuseeland zu finden. alles laeuft extrem gemuetlich und ruhig ab. die jedes jahr vorbeikommenden yachties sind da eine wirklich willkommene abwechslung. einzig das anlanden mit dem dinghi ist bei der kleinsten dünung ein gewagtes unternehmen. man fährt dazu an einen kleinen aber hohen betonsteg springt auf eine rutschige stiege und hebt mit einem kran das dinghi an land. diese aktion muss natürlich abgeschlossen sein bevor die nächste hohe welle kommt sonst landet man am felsigen ufer.

j
eden abend gibt es veranstaltungen, vom buffet mit einheimischen spezialitaeten bis zum grillabend des neu gegruendeten yachtclubs (natuerlich gibt es nur wenige einheimische fischerboote) und alles zu vernuenftigen preisen. wir fuehlen uns wie im paradies. wir feiern annas geburtstag nach (zweiundzwanzig gaeste auf der idemo, happy birthday wird feuchtfroehlich von neun verschiedenen nationen in acht verschiedenen sprachen gesungen – das schiff hat's ueberlebt und ist damit schwerwetter geprueft) und eilen von sundowner zu sundowner. die auf dem rolligen, dreissig meter tiefen ankerplatz liegenden gaeste, werden voll in das dorfleben integriert. wir yachties bilden ein eigenes team fuer's tauziehen beim dorffest und muessen eine klaegliche niederlage gegen die fuelligen polynesier hinnehmen. beim kokosnuss-wett-oeffnen sind wir gar nicht mehr angetreten. unglaublich, wie schnell man so eine nuss nur mit den zaehnen abschaelen kann. alle fuehlen sich pudelwohl und denken nicht ans weiterfahren. umberto von der EL HOLANDES ERANTES beschliesst sogar hier sesshaft zu werden. mit einem kranwagen will er sein kleines achtmeter langes schiff herausheben lassen und vor die ihm von den inselbewohnern zur verfuegung gestellte huette, stellen. er hat einen kleinen job bei der lokalen, woechentlich erscheinenden zeitung angenommen und ist grosser zuversicht hier gluecklich zu werden. vielleicht spielt dabei auch der umstand mit, dass man nach drei jahren aufenthalt in niue, automatisch eine unbefristete arbeitsgenehmigung fuer neuseeland bekommt, wer weiss?

die neuseelaenderin mary, ein echtes original, hat den umgekehrten weg genommen und ist vor zwanzig jahren hierher ausgewandert. nachdem ihr mann jedoch letzten winter gestorben ist, moechte sie wieder zurueck in ihre heimat und ihr mietwagen – taxi unternehmen steht zum verkauf. einige yachties haben zu rechnen begonnen und ueberlegt, ihre reise hier zu unterbrechen, doch soviel ich weiss hat keiner zugeschlagen und alofi rentals ist noch zu haben. fuer die von euch, die ein bisschen traeumen moechten, hier die website von mary: www.business4sale.co.nz und die von niue www.niueisland.com. ich glaube, der von ihr angegebene preis ist nur die aufforderung fuer ein gegenangebot, jedenfalls hat sie uns das mit einem augenzwinkern angedeutet.

wir erforschen die insel mit unseren fahrraedern (unsere Freunde von der MOONWALKER ein bisserl lässiger zu dritt auf dem motorrad), klettern in hoehlen herum und sind von der unterwasserwelt begeistert. sichtweiten um dreissig meter unter wasser und ein unglaublicher fischreichtum lassen uns kaum aus dem staunen kommen. diesen spass koennen uns auch die staendig praesenten wasserschlangen nicht verderben. wasserschlangen verfuegen ueber eines der wirksamsten natuerlichen gifte, grosser vorteil, ihr maul ist so klein, dass sie menschen kaum beissen koennen. laestig sind sie aber schon, denn scheinbar kennen sie keine scheu und sind neugierig. die schwarz-weiss gestreiften, bis zu einem meter grossen tiere schwimmen zielstrebig bis auf zwei meter heran und man ist sich nie sicher, ob nicht gerade dieses exemplar einen etwas mutierten, vergroesserten mund hat. als mir eine der schlangen im schmalen ausgang von einer unterwasserhoehle entgegenschwimmt, bin ich ziemlich schockiert. ruecksichtsvoll ueberlasse ich dem unheimlichen ding die vorfahrt und presse mich an die felswand. ich werde jedoch keines blickes gewuerdigt und die schwarz-weiss gestreifte "bestie" schwimmt seelenruhug an mir vorbei.

n
icht nur yachties sind gaeste auf niue. ein trupp "seabees" (= seebienen, sowas wie amerikanische marine-pioniere, die durch pazifikschlachten im 2.weltkrieg beruehmt wurden) soll aus uebungszwecken den vom letzten hurrican zerstoerten pier wieder aufbauen. die muskelbepackten und mit unzaehligen taetowierungen (kategorie bruellender tiger) verzierten burschen, scheinen auf der insel viel spass zu haben. die von ihnen veranstalteten parties sind legendaer und wir wundern uns wie sie am naechsten tag topfit mit uebermotorisierten kleinen landungsbooten zwischen den yachten wasserski fahren (das gibt’s scheinbar nicht nur im film). mit diesen aktivitaeten verscheuchen sie natuerlich die riesigen buckelwale, die sich jedes jahr vor der leekueste des rock of polynesia einfinden. trotzdem koennen wir die wunderbaren tiere beobachten. man kann ihre grossen grauen ruecken, den blas und den breiten schwanz immer wieder aus der bewegten see auftauchen sehen.

n
eben einer beträchtlichen anzahl von kirchen gibt es auch ein gefängniss auf niue. vor nicht all zu langer zeit gab es zwei häftlinge und einen wärter. laut erzählungen der einheimischen war einer der beiden häftlinge ein wüster geselle der neben raub und mord alle möglichen anderen delikte auf dem kerbholz hatte. wie üblich hat ihn die haft nicht wirklich verbessert, ganz im gegenteil er begann seinen mithäftling zu terrorisieren und den wärter mit mord zu bedrohen. da hatte er sich aber den falschen ausgesucht, denn eines nachts brechen bei dem braven aufseher die jahrelang aufgestauten agressionen durch und er erschlägt ihn im zorn. jetzt standen die dorfältersten vor dem problem, dass sie zwar noch immer zwei häftlinge aber keinen wärter mehr hatten. sie wussten sich aber schnell zu helfen, denn der neue häftling blieb auch wärter und bewacht jetzt sich und seinen kompagnion in personalunion. ein ausbruch aus dem gefängniss dürfte nicht besonders schwierig sein, denn als gefängnisstor dient ein einfacher schranken und in die gefängnisszellen begeben sich die häftlinge nur zum schlafen, wobei die türen nicht verschlossen werden. wohin sollten sie aber auch fliehen? die nächste insel ist viele hunderte meilen entfernt und niue selbst ist flach und überschaubar.

d
ie „haftanstallt“ betreibt einen gemüsegarten für die selbstversorgung, der überschuss aber wird verkauft. frischkost ist in niue bis zur ankunft des nächsten versirgungsschiffes absolute mangelware also radeln wir zum gefängniss und lernen dort den wärter/häftling pete kennen. der ist über unseren besuch sehr erfreut, bringt er doch etwas abwechslung in sein leben und in die geldbörse. pete führt uns durch sein gefängniss, zeigt uns seine zelle (natürlich mit pirelli-kallender!), den gemüsegarten und wir plaudern über die aufzucht von tomaten und salatpflanzen. bei der gemüserechnung zeigt er sich sehr großzügig und als wir mit vollbepackten rucksäcken richtung IDEMO radeln winkt er uns zum abschied.

a
uf der ueberfahrt nach tonga gibt es eine premiere auf der idemo. wir machen sashimi aus fangfrischem fisch. schon jahre vor unserer abfahrt habe ich von wirklich frischen sushi gesprochen, davon getraeumt am sonnenueberfluteten schiff zu sitzen und koestlichen rohen fisch zu verspeisen. als wir dann aber den ersten fisch aus dem wasser geholt haben und all das viele blut und das gemetzel am poopdeck erleben mussten, war diese idee schnell zur seite geschoben. als wir unsere bedenken anderen seglern erzaehlt haben, waren die ganz anderer meinung und haben auf uns eingeredet diesen genuss doch nicht zu versaeumen. wirklich ueberzeugt haben uns yuko und kuni von dem japanischen boot SARAH LA NOIRE, die muessen es ja schliesslich wissen. wir haben es also gewagt und den besten teil einer goldmakrele roh mit wasabi und sojasauce verspeist. ingrid hat beim aussnehmen des fisches nicht zugesehen, war daher nicht vorbelastet, anna war sowieso schlichtweg begeistert und ich habe versucht an etwas anderes zu denken und tapfer ein paar bissen hinuntergewuergt. wir werdens wiedermachen und vielleicht kommt dann ja auch fuer mich der genuss.

s
o nebenbei und unbemerkt ueberqueren wir die datumsgrenze. konnten wir uns bis jetzt mit jeder von osten her ueberschrittenen zeitzone um eine stunde juenger machen, wurden wir in einer stillen pazifiknacht poetzlich um einen tag aelter. immer wenn in niue die sonntagsglocken laueten, herrscht auf den bunten gemuesemaerkten von tonga schon rege betriebssamkeit, denn dort ist es schon montagmorgen. macht nichts, bis wir zuhause sind haben wir die verschwundenen 12 stunden wieder eingeholt und haben zumindest nichts verloren.
 
die letzte nacht der ueberfahrt wird noch spannend. anna klagt ueber zahnschmerzen. schon seit einer woche hatte sich einer ihrer schneidezaehne schwarz verfaerbt. wir haben dem keine bedeutung zugemessen, weil wir dachten, das waere eine normale reaktion auf einen wackeligen zahn. doch jetzt stehen wir da, ein kind mit zahnschmerzen und stark geschwollener oberlippe auf hoher see, noch eine tagesreise vom naechsten ort mit aeusserst fragwuerdiger zahnaerztlicher versorgung entfernt. da erinnern wir uns an robert von der EXPLORER. er ist amerikaner und was viel interessanter ist, zahnarzt. noch in niue hat er uns erzaehlt, dass sich sein zahnaerztliches betaetigungsfeld derzeit auf zaehneziehen beschraenkt. das ist genau das, was wir jetzt brauchen.  wir nehmen an, dass die EXPLORER irgendwo in der vavau-group vor anker liegt. daher segeln wir mit vollzeug richtung vavau, wollen mit dem ersten tageslicht in die inselgruppe einlaufen. ueber funk koennen wir die EXPLORER nicht erreichen, doch andere boote wissen wo sie ankert und dort duesen wir hin. schnell haben wir die situation erklaert und schon rueckt robert mit seiner zange an. zum glueck hat er auch eine spritze und schwupps ist der zahn draussen. anna hat sich tapfer gehalten, ein paar traenen gabs aber doch, dafuer hatte sie ihre zahnarztbehandlung unter freiem himmel im cockpit einer segelyacht. eine bezahlung lehnt robert ab, nimmt aber gerne ein paar filets unseres frisch gefangenen kingfish mit.
das koenigreich tonga besteht aus einer unzahl von winzigen trauminseln. weisse sandstraende saeumen gruene inseln mit vielen sicheren ankerplaetzen. hier kann man sich so richtig wohl fuehlen. die menschen sind freundlich und sehr traditionell. ueberall sieht man noch maenner und frauen mit den traditionellen tuvalas (wickelroecke aus baumrindenstoff). diese tapas-roecke werden nicht nur zu speziellen anlaessen getragen, sondern sind bestandteil einer lebendigen kultur. das gibt ein buntes und fuer uns exotisch wirkendes strassenbild.

aber nicht nur uns gefaellt tonga so gut. alleine in der vavau group gibt es drei oesterreichische aussteiger. in neiafu lernen wir "kipferl-joe" kennen, einen baecker aus wagrein. er geniesst das leben hier, macht salzstangerln und das beste brot im suedpazifik (ausserdem verdanken wir ihm fuenf kilo vollkorn-roggenmehl, die uns in die glueckliche lage versetzen, wieder echtes schwarzbrot auf der IDEMO zu backen). nicht weit vom "kipferl-joe" entfernt, auf einer winzigen insel mit wunderbarem korallenriff, betreibt bernie aus der steiermark ein kleines "hotel" mit restaurant (http://www.popao.net/). taeglich gibt es bei ihm rindssuppe, zwiebelrostbraten (kommentar eines amerikaners "a little bit overcooked") und palatschinken (=austrian style pancake). auf einer weiteren insel gibt es ein oesterreichisches paerchen mit restaurant, wir verbeissen uns allerdings einen weiteren inflationaeren besuch, da wir uns das menue sowieso nicht leisten koennen.

am sonntag ist ganz tonga im tiefschlaf. per gesetz ist es verboten zu arbeiten, ja nicht einmal schwimmen darf man. nur der weg in eine der unzaehligen kirchen ist erlaubt. dort geht es dann dafuer um so lauter und schwungvoller zu. in mehrstimmigen choeren werden rhytmische kirchenlieder gesungen, dies mit einer professionellen perfektion, die auf jahreslanges ueben schliessen laesst. der kirchenbesuch in der "hauptstadt" wird fuer uns zum echten erlebnis, wippend und tippend wuerde ich gerne mitsingen, unterlasse das aber, was fuer die qualitaet des gesangs sicher von vorteil ist.

hier in nukualofa liegen wir direkt vor dem koenigspalast. koenig tupou IV. ruehmt sich uebrigens der schwerste monarch der welt zu sein und der, der am hoechsten springen kann. er ist halter des tonganischen stabhochsprungrekordes. allerdings wurden seit jahren keine wettbewerbe mehr ausgetragen, ob da der koenig dahintersteckt?

tonga ist die letzte station unseres suedsee-abenteuers. mit anfang november beginnt die saison der wirbelstuerme und wir wollen diese zeit in einem sicheren hafen in neuseeland verbringen. den toern dorthin hin muessen wir ohne die unterstuetzung unserer liebgewonnenen passatwinde bestreiten und die temperaturen werden erstmals wieder empfindlich fallen. 


wir melden uns bald wieder!
 
 
anna, ingrid und robert
an bord idemo
dzt. nukualofa, kingdom of tonga
november 2002
 
 

 
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entgegen unserem festen vorsatz geben wir in papeete ein vermoegen aus. zu verlockend sind die kuehlvitrinen, obst und gemuesestaende und die glitzernden auslagen. die preise sind weit ueber dem europaeischen niveau. die transportkosten von uebersee erscheinen uns nur eine teilweise erklaerung dafuer. vielleicht liegt die ueberteuerung an der franzoesischen kolonialpolitik. auch um den protest gegen die atomversuche in den tuamotus zu unterwandern, wurden und werden unsummen an subventionen und ueberhoehte gehaelter an beamte bezahlt. damit sind die franzoesichen inseln gut versorgt und echte armut sieht man kaum (ganz im gegenteil zu den ehemaligen englischen und spanischen kolonien). trotzdem oder vielleicht gerade deshalb gibt es nur wenig landwirtschaft und industrie und es wird praktisch alles importiert. viele haende scheinen da mitzuverdienen und die endverbraucher duerften an das preisniveau gewoehnt sein. so kostet zum beispiel ein halber liter coca-cola im supermarkt zwei us-dollar oder ein hinano – bier (das ist die billige einheimische marke) zwei dollar fuenfzig. trotzdem sieht man die leute kistenweise getraenke zum nahe geparkten chrom-glitzernden allrad-wagen fuehren.

ein weiteres beispiel fuer die preispolitik: wie schon berichtet hatte der druckerkopf unseres pc-druckers den geist aufgegeben und wir wollen einen neuen besorgen. alles moeglich, in papeete gibt es eine canon-servicestation, das problem alleine ist der preis. der druckerkopf kostet hier doppelt so viel wie der gesamte drucker vor zwei jahren beim mediamarkt im seeligen voesendorf und wir alle wissen, dass die preise fuer hardware von tag zu tag sinken. bei soviel unverschaemtheit beschliesse ich unsere detailkarten weiterhin vom bildschirm abzumalen.

nur eines leiste ich mir: so viele haben uns aufgrund unseres letzten mails wegen der hula – hula- maedchen zweideutige antworten geschrieben, dass ich nicht widerstehen konnte und in einer dunklen seitengasse im hafenviertel von papeete die bestangelegten zweihundert dollar unserer reise einer aufreizenden, jungen dame uebergebe (keine angst mama, ich mach' nur einen scherz).

die meisten yachten liegen nicht mehr im schmutzigen hafenbecken von papeete, sondern in der lagune vor dem maewa-beach-hotel. auch wir haben hier unseren haken fallen lassen. von dort kann man problemlos mit "le truck" in die stadt fahren und alles notwendige erledigen. "le truck" sind mittelgrosse lastwaegen, die anstelle der ladeflaeche einen selbstgezimmerten holzaufbau haben in dem die passagiere auf langen holzbaenken, die paralell zur fahrtrichtung montiert sind, sitzen. der fahrer ist fuhrwerksunternehmer, schaffner und chaffeur in einem. das ganze funktioniert  bestens und die buntbemalten holzautobusse sind ein weiterer lustiger farbklecks in der exotisch - tropischen stadt.

alle yachten, die in franzoesisch-polynesien kreuzen, muessen die zoll- und passformalitaeten in papeete erledigen. daher liegen hier viele schiffe und nur wenigen gelingt ein schneller absprung trotz der besten vorsaetze. viele der schiffe sind uns bekannt und die yachtykolonie erinnert an ein multikulturelles dorf in dem jeder jeden kennt. staendig kommt jemand auf einen kurzen tratsch vorbei (was kontinuierliches arbeiten am schiff fast unmoeglich macht) oder man wird auf ukw gerufen. der weg vom dinghi-anleger zur autobusshaltestelle wird zum plauderspiessrutenlauf. mit jedem will man ein kurzes schwaetzchen halten oder trifft leute, die man schon ewig nicht gesehen hat und schwups ist der vormittag schon vorbei und die geschaefte haben bis zum spaeten nachmittag geschlossen. am abend gibt es echtes "socialising", wie die amerikaner sagen. man trifft sich auf den schiffen oder bei potluck-parties am strand. lustigstes fest war eine "motor-wieder-in-ordnung-party" auf einem 38 fuss-schiff mit gezaehlten einundzwanzig gaesten und einem riesenpot chilli con carne. vielleicht sind die ausgelassene stimmung und die vielen feste auch ein kleiner ausgleich fuer die langen seepassagen?

seit  jahren wuenschen wir uns einmal einen wal zu sehen. noch nie ist es uns gelungen einen aus der naehe zu beobachten. wir konnten buckel und einen weit entfernten blas erahnen, aber immer war das mehr ein erraten als wirkliches erkennen. doch in der grossstadtlagune von papeete schwimmt eines abends ploetzlich ein ungefaehr zwoelf meter langer orca zwischen den schiffen herum und sucht scheinbar den weg zum pass durch das riff. maechtig blaest er und schwimmt zum anfassen nahe an uns vorbei. wir koennen es kaum glauben, aber wir haben unseren ersten wal am ankerplatz gesehen.

anna war von dem anblick des maechtigen tieres beeindruckt und konnte sich gar nicht losreisen. vollkommen fasziniert von der gigantischen natur steht sie da und kratzt sich geistesabwesend die beine. wir sind alarmiert, denn schon seit zwei, drei wochen konnten wir kleine wunden an annas beinen bemerken, die nicht heilen wollten. wir vermuten eine streptokokken-infektion. die notwendigen antibiotischen medikamente liegen in unserer bordapotheke, aber da in papeete die medizinische versorgung gut ist, bringen wir die kleine prinzessin zu einem dermatologen. der bestaetigt unsere vermutung und wir beginnen mit einer zehntaegigen antibiotikakur.

streptokokkeninfektionen kommen in den tropen relativ hauefig vor und gerade kinder scheinen dafuer besonders anfaellig zu sein. ueber kleine wunden gelangen die bakterien in den koerper. haben sie sich entsprechend vermehrt, platzt die haut an den unterschiedlichsten stellen auf und die wunden verheilen nicht mehr. anna spricht auf das medikament aber sehr gut an und nach wenigen tagen kann sie wieder froehlich im wasser plantschen und auf der idemo gibt es eine neue regel: auch der kleinste kratzer muss desinfiziert und verbunden werden!

die krankheiten der IDEMO sind komplizierter. die fehlersuche an unserem leckenden getriebe erweisst sich als schwierig. man kann einfach nicht erkennen wo das oel verloren geht. ausserdem sind ersatzteile in tahiti nur langfristig zu besorgen. wir decken uns daher reichlich mit getriebeoel ein und verschieben die reparatur auf die hurricanpause in neuseeland.

da auch der sparsamste dieselmotor treibstoff braucht, verholen wir uns an einem der naechsten tage an die kleine tankstelle der maewa beach marina. alles funktioniert bestens. ingrid manoevriert idemo perfekt an den schwimmsteg und nachdem wir treibstofftank (zollfrei!!) und wassertanks gefuellt haben, legen wir wieder ab, auch das funktioniert bestens, doch als ingrid vorwaertsschub geben will, tut sich nichts. einfach nichts. idemo treibt langsam richtung megayachtensteg der marina. mehrere millionen dollar warten auf die vernichtung durch ein kleines, rotes stahlschiff. blitzschnell lassen wir unsere neu reparierte genua ausrollen, doch der bug steht genau im leichten wind und die riffstroemung nimmt uns weiter mit richtung der vier fein lackierten millionaersspielzeuge. fuer den preis einer neulackierung eines dieser 35 meter schiffe, koennten wir wahrscheinlich eine nagelneue idemo kaufen. da springt ingrid runter zum ukw-geraet und ruft um hilfe. wie von geisterhand gesteuert tauchen in sekundenschnelle 10, 15 dinghis auf, die sich idemo mit hoher geschwindigkeit sternfoermig naehern. der ansturm ist fast zu gross. doch ohne worte macht jeder das richtige. der bug wird durch den wind gedreht, zwei dinghis rechts und zwei dinghis links festgebunden, einige machen druck von hinten und ein haufen bleibt zur sicherheit in der naehe. langsam schieben wir uns richtung offenes wasser. ohne probleme koennen wir unseren anker werfen und sogar einfahren. der muss jetzt super gut halten, da wir uns im notfall nicht bewegen koennen. ein kurzes dankeschoen an die vielen gesichter rundherum und ich sitze schon im motorraum. der schaden ist schnell lokalisiert. der flansch am getriebe hat sich geloest und die welle, die den probeller mit dem getriebe verbindet steht wieder einmal im freien. nur eine schraube sichert den flansch am getriebe und die hat sich geloest - zwanzig zentimeter hinter dem teil, das sich am atlantik verabschiedet hat. nachdem alles wieder an seinem platz ist und diesmal hoffentlich besser gesichert, koennen wir vorerst einmal feststellen, dass sich auch der uebermaessige oelverbrauch gelegt hat. das ist wie ein kleines wunder. aber wir haben noch zeit fuer eine langzeitstudie bis neuseeland.

da gibt es wieder etwas am funk zu erzaehlen. noch dazu wo ingrid jetzt net-operater auf dem deutschsprachigen "regenbogennetz" ist. alle sechs tage verwandelt sich die idemo zum funkstudio. ingrid startet jetzt schon ganz professionell, fuer jeweils drei tage lang, mit den worten "guten abend in die runde, hier ist das regenbogennetz fuer yachten im suedpazifik!" das netz. es ist mit deutscher gruendlichkeit gut aufgezogen und sogar einen meterologen gibt es. wir schaetzen, dass dreissig bis vierzig yachten regelmaessig auf frequenz sind, deutsche, schweizer, hollaender und eine oesterreichische yacht - eben die idemo. das sind nicht viele zuhoerer, aber dafuer ist das einzugsgebiet umso groesser (sidney – panama entspricht der stecke moskau – new york). und sogar bobby schenk auf THALASSA meldet sich immer wieder. ich kann es kaum glauben, ingrid sagt mit einem laessigen "bobby, go ahead" dem beruehmten deutschen fahrtensegler wann er sprechen darf. ich hab schon immer gewusst, dass aus der smaha einmal was wird. fuer die, die den bobby schenk nicht kennen sei erklaert, dass ist ungefaehr so, als wuerde man als durchschnittlicher gitarrenspieler mit bob dylan ein staendchen geben oder vielleicht ist ein vergleich mit dem ostbahn-kurti treffender (fuer die segler unter euch, auch die OLE HOOP mit johanna und klaus noelter gehoert zu den fans). beschliessen darf das netz immer anna. obwohl es gibt natuerlich auch ein kids-net! jeden morgen um 2200 utc treffen sich die kinder der verschiedensten nationen auf 4057 khz, beim moby-dick-netz.

auf ankerplaetzten mit so vielen schiffen wie in papeete, sieht man die kinder mit videokassetten und dvd's von viedeorecorder zu videorecorder ziehen, nur halt nicht mit dem fahrrad, sondern mit dem dinghi. wir sind ueberrascht wie viele yachten fernseher an bord haben, natuerlich nicht nur fuer die kinder, sondern auch fuer die erwachsenen. da wird heftig getauscht und ausgeliehen, denn meistens ist es schwer an filme in der entsprechenden sprache zu kommen. doris von der MOONWALKER hat uns eine lustige geschichte erzaehlt: sie sind alleine in einer bucht gelegen, als am spaeten nachmittag eine grosse yacht aus luxemburg einlief. doris stellte sofort mit kennerblick fest, die haben sicher viele gute videos zum tauschen. sie geht also an die funke. der skipper gibt vor gut deutsch zu sprechen, daher einigt man sich die konversation auf deutsch zu fuehren. doris hat sechs ihrer besten videofilme in der hand und moechte ein gegenangebot hoeren, sie verkuendet: "wir haben sechs movies – wirklich gute und wuerden gerne tauschen". da kommt ploetzlich eine schimpforgie durch den lautsprecher. der skipper habe sich sex und drogen schon laengst abgewoehnt und er koenne das alles auch der jungen frau empfehlen. doris stammelt, die titel ihrer filme runter und stellt klar, was ihr anliegen war, aber das hilft alles nichts, der mann glaubt ihr nicht.

besonders lustig sind videoabende auf amerikanischen schiffen. so wie man bei uns zum kartenspielen laedt, bekommt man eine einladung zu einem videofilm auf "ami" – schiffen". da werden zuerst kleine snacks gereicht und dann die mega boxen aufgebaut. der mikrowellenherd piepst, sobald das popcorn fertig ist. kurz wird noch ueber das letzte schnorchelabenteuer geschnattert, doch dann geht’s los. action-dvd's flattern ueber den flatscreen und niemand findet etwas dabei, dass kleine kinder in der fussfreien reihe sitzen. wir koennen uns nur wundern und fragen jetzt immer diskret, was denn fuer ein film gezeigt wird. wir wollen anna einfach vor dem ganzen mist noch eine kurze zeit bewahren, ihr zeigen, dass die reale welt doch etwas freundlicher ist und, dass gewalt nicht die antwort auf alles sein kann. auf der anderen seite ist es fuer schiffe aus dem angelsaechsischen sprachraum unverstaendlich, dass anna und manchmal auch ihre eltern nackt auf dem schiff herumlaufen (ueber ein befreundetes hollaendisches schiff haben wir gehoert, "oh, i know them, these are the people who have not enough money for to buy clothes").

zwischen all den yachten sieht man immer wieder grosse, bunte auslegerkanus durch die lagune pfluegen. um die zehn maenner oder frauen paddeln mit atemberaubendenm tempo durch das tuerkisfarbene wasser. blitzschnell werden die ruder im gleichtakt von seite zu seite gewechselt. das scheint ein richtiger breitensport zu sein der von der putzfrau bis zum manager betrieben wird und jedes jahr werden meisterschaften mit grosser beteiligung ausgetragen. manchmal werden von den grossen hotels kanutrips veranstaltet. das sieht dann allerdings nicht mehr so elegant aus. runde weisse koerper, mit hochroten koepfen paddeln unrythmisch in schlangenlinien durch das ungewohnte element.

von papeete kann man sich einfach schwer trennen. tahiti ist eine wunderschoene insel. das warenangebot ist nahezu unbegrenzt und nicht zuletzt ist es eine sichere stadt. vorbei sind die suedamerikanisch – karibischen zeiten wo man staendig um sein leben oder zumindest die geldboerse bangen musste. vorbei die geschichten von piraten und strassenrauebern. man kann am abend in einer stadt spazierengehen. ein voellig neues gefuehl fuer die idemos.

wir machen uns aber auf den weg richtung westen. unser naechstes ziel ist moorea. steilaufragende berge mit kleinem strand und einem schuetzenden wallriff. es sieht einfach traumhaft aus. suedsee pur. ausgedehnte wanderungen und das erkunden der insel stehen auf dem programm, aber die unterwasserwelt ist das faszinierendste. die lokale tauchschule hat haie und stachelrochen im freien wasser angefuettert. die genaue position ist uns schon seit wochen bekannt. wir decken uns mit brot ein und fahren mit dem dinghi durch die lagune von moorea. ein erlebnis fuer sich. an dem "geheim-platz" angekommen, wimmelt es von stachelrochen mit einer spannweite von 1 – 1,5 metern. sobald wir ins wasser springen, umringen uns die tiere - an dem mitgebrachten brot haben sie allerdings kein interesse. anna kann die rochen beruehren, sie sind vollkommen friedlich, den kontakt mit menschen scheinbar gewoehnt. als zwei haie auftauchen, wird ingrid nervoes aber auch die wollen nur fischabfaelle und sobald sie bemerken, dass wir nur brot mithaben, verschwinden die burschen wieder.
am nachmittag finden wir uns zum sundowner auf der AVALON ein. wir unterhalten uns ueber einen funkspruch, den wir 20 minuten davor abgehoert haben und der sicher ein gutes beispiel fuer den streit um die interessensgebiete im pazifik ist.

der kontakt begann auf kanal 16, dem noch immer benutzten not- und anrufkanal fuer ukw geraete.
"fishingboat, fishingboat on my starboarside, this is a french warship, this is a french warship, please give me your indentification", keine antwort. nach dem dritten anruf, man merkt schon den aerger in der stimme vom deck der franzosen, kommt eine antwort vom fischerboot und man einigt sich auf kanal 72 zu wechseln. IDEMO folgt natuerlich, alle postgeheimnisse ueberschreitend. leider versaeumen wir die antwort auf die frage nach der nationalitaet des fischerbootes. der folgende gespraechsablauf ist lueckenhaft, dafuer aber kabarettreif. die franzosen wollen wissen, wieviele leute an bord sind. der kapitaen des fischerbootes antwortet: "give me one minute, i have to count them". zwei minuten funkstille. "we have eleven people on board". die franzosen antworten widerstrebend korrekt: "ok sir, do you know that you are fishing in french territory?" kurze funkstille, dann kommt antwort von der anderen seite "why, is the fish speaking french?" man kann richtig fuehlen, dass die franzosen vor wut platzen, sich aber an den eingedrillten ablauf halten wollen. "friendship (wir kugeln uns bereits vor lachen, als wir den namen hoeren), stop your engine, we are sending a boat". das fischerboot verspricht die maschinen zu stoppen. zwei minuten spaeter sind die franzosen ziemlich veraergert: "sir, you didn't stop your engine, stop it now emediately!", "sorry, I stop it now", wieder kein erfolg - nach einigen minuten, die franzoen sind jetzt aber wirklich grantig und versprechen dem fischerboot eine vor den bug zu knallen, wenn sie nicht sofort die maschinen stoppen! kein erfolg, das kriegsschiff startet einen letzten versuch: "sir,... I am countig now down", die fischer drohen mit ihrem anwalt, (das kommt uns in der weite des pazifiks etwas wirklichkeitsfremd vor) und dann geht' s los "five, four, three, ....", wir koennen es ja nicht krachen hoeren, aber jedenfalls scheint das kriegsschiff auf dem laengeren ast gesessen zu sein und wir koennen erahnen, dass die fischer geentert und die franzoesischen hoheitsrechte geschuetzt wurden.

von diesem spass scheinbar voellig durcheinander, steigt ingrid ins dinghi um auf die IDEMO zu duesen und dort das brot aus dem rohr zu holen. sie beeilt sich, denn sie hat angst von der ausgelassenen stimmung zuviel zu verpassen. vielleicht hatte sie auch schon ein oder zwei sundowner, wer weiss? jedenfalls vergisst sie den aussenborder abzustellen, bleibt mit dem fuss am gashebel haengen und schon stellt sich unser tapferes dinghi auf, der motor haeult auf, die schraube wurlt im wasser und ingrid kann sich nur durch einen gewagten kopfsprung in sicherheit bringen. das dinghi rast fuehrerlos unter vollspeed durch den ankerplatz, macht einen grossen bogen und katapultiert sich mit der nase genau in unser schoenes rotes schiff. in der zwischenzeit habe ich mit jim von der AVALON eine vergebliche rettungsaktion gestartet, wir hocken mit staunenden augen in seinem kleinen dinghi und koennen es kaum glauben. nichts ist passiert. das wildgewordene beiboot hat sich durch korallenbloecke und ankerlieger durchgeschlaengelt und von unserem eigenen boot abgestoppt. durch den heftigen aufprall wurde der antrieb aus dem wasser geschleudert und ingrid braucht nur mehr hinzuschwimmen und den motor abzustellen. allerdings hat sie weiche knie und ist natuerlich patschnass.

mit wundervollen zwischenstops auf raiatea und tahaa hangeln wir uns weiter zur naechsten trauminsel bora bora. am weg dorthin haben wir einen besonders aufmerksamen schutzengel. schon die ganze nacht hat uns eine schubstange der ruderanlage genervt. der gummiueberzug war aus unerfindlichen gruenden abgebrochen und seitdem schlaegt die stange alle zehn sekunden mit einem lauten dong gegen eine querverstrebung. mit dem ersten tageslicht wollen wir dem nervigen gerauesch auf die spur gehen. wie immer steuert brav unsere windsteueranlage und die hauptruderanlage ist festgesetzt. ingrid und ich haengen in den eingeweiden von idemo, anna sitzt mit einem buch und einer schuessel kakaoflakes im salon. mit chirurgischem geschick versuche ich den ueberzug an seinen alten platz zu bringen. das erfordert aber ausdauer und geduld und hin und wieder entrutscht mit ein lautes "schei...". ingrid kommt die ruhe im salon verdaechtig vor und sie will kurz checken was mit anna los ist. ich fummle weiter am gestaenge der ruderanlage herum. ploetzlich bewegt sich diese und meine finger sind dazwischen. fluchend und schimpfend stuerme ich ins cockpit. gerade noch rechtzeitig um jedes haar der augenbrauen eines fremden mannes zu erkennen. nur zwanzig zentimeter neben uns zieht ein anderes segelboot, ebenfalls gesteuert von einer windfahne, in entgegengesetzter richtung an uns vorbei. grosse, fremde, augen starren mich an. ingrid steht am steuer und hat die situation im griff, hat uns im letzten moment vor einer katastrophe bewahrt. der skipper des anderen schiffes steht im niedergang, eigentlich noch meilenweit von seinem ruder entfernt, aber ebenfalls etwas ueberrascht. da bleibt keine zeit fuer erklaerende worte oder noch den namen des anderen schiffes zu lesen. meine knie sind ziemlich weich. aus reinem zufall hatten wir vorfahrt, vielleicht waeren wir auch etwas stabiler gewesen, denn das andere schiff war aus gfk, aber auf jeden fall waere bei einem zusammenstoss einiges kaputt gegangen.
in bora bora finden wir einen wunderbaren ankerplatz hinter einem kleinen bilderbuch-motu. die tage hier vergehen wie im flug, schnorcheln in der wunderbaren lagune, bordroutine und am abend gibt’s meistens fisch gebraten am lagerfeuer. so richtig romantisch wird’s wenn alf von der FREEDOM FARGO zu seiner gitarre greift und die alten "hadern" spielt (immerhin ist er im zivilen leben studiomusiker). dazu wird eine frisch geerntete trinknuss zur haelfte mit rum gefuellt und im kreis gereicht. das ist traumhafte lowbudget abendunterhaltung.
bora bora ist eine hoch herausragende insel mit einem fast kreisrunden saumriff, eigentlich sieht die insel so aus wie kinder eine suedseeinsel zeichnen wuerden. den steilen, von dichtem urwald umwucherten berg kann man besteigen. wie wir erfahren, ist die sache aber nicht ganz einfach, und ingrid und doris von der MOONWALKER koennen mich ueberzeugen, dass es besser ist die kinder bei der "ersatzoma" edith von der JOEKE zu lassen. edith freut sich auf den tag mit den kleinen und ihr ehemann michael schliesst sich dem bergsteigertrupp an.
bergsteigertrupp ist nicht uebertrieben, denn jeder von uns hat eine lange schot im rucksack stecken. mit diesen leinen wollen wir uns an den schwierigen stellen gegenseitig sichern und das klettern etwas leichter machen. so werden unsere leinen, die noch selten ueber meeresniveau waren, auf luftigen 700 meter zum einsatz kommen. der schweisstreibende aufstieg durch tropische vegetation und ueber steile felsen, wird zum anstrengenden aber auch beeindruckenden erlebnis. die aussicht vom gipfel ist wunderbar. man kann von einem punkt aus die ganze insel samt lagune ueberschauen. in allen nur erdenklichen gruen- und blautoenen schimmert das glasklare wasser zu uns herauf. die wellen brechen sich am das atoll schuetzenden wallriff und kokospalmen saeumen die weissen sandstraende. eigentlich ist das szenario zu kitschig um wirklich schoen zu sein. wir koennen uns kaum sattsehen. auch beim abstieg sind wir froh unsere genua- und blisterschoten mitgebracht zu haben. als wir am abend an der holprigen strasse vor der kirche sitzen, jeder eine flasche hinano bier in der hand, und unser bergabenteuer nochmals besprechen sind wir so richtig stolz auf uns.

bora bora ist faszinierend und schoen. hier werden suedseetraeume war. doch wie immer draengt uns auch hier die zeit. wir kaufen noch schnell einige lebensmittel beim chinesischen greisler und bunkern etliche gruene trinknuesse (jeden tag kommen zwei in den kuehlschrank, am naechsten tag bohre ich mit der black&decker drei kleine loecher, in die wir einen gruenen, einen roten und einen rosa farbenen strohalm stecken und fertig ist der perfekte hochsee-erfrischungsdrink in thermoverpackung). wir verholen uns zum bora bora yachtclub (geleitet von dem salzburger peter), fuellen unsere tanks mit wasser und dann geht’s los. beim ankeraufgehen erleben wir allerdings eine kleine ueberraschung. die wasserleitung, die das bora-bora luxusresort mit der hauptinsel verbindet, haengt an unserem buegelanker. ein gewicht, das die leitung unter wasser beschweren soll, hat sich total um kette und anker verschlungen. mit einer riesigen zange bewaffnet, tauche ich hinunter und nach einigen versuchen gelingt es mir, die wasserversorgung der betuchten gaeste (500 us-dollar pro nacht und person) zu retten und wir koennen endlich aufbrechen.

auf dem weg richtung westen durchqueren wir die weit auseinander liegenden cook-inseln. geplant war ein zwischenstop auf dem winzigen atoll palmerston. doch unerwartete westwinde machen ein ankern vor dem atoll unmoeglich. so ziehen wir nach langen sechs tagen unverrichteter dinge weiter. besonders anna ist enttaeuscht, denn jetzt werden wir ihren geburtstag auf see feiern. am morgen des 17. september singen also nur ingrid und ich ein happy birthday fuer anna. im umkreis von vielen hundert meilen gibt es nur wasser und keine menschen. vor meinem geistigen auge kann ich uns aus der vogelperspektive sehen. hohe, schauemende wellen, unendlich weites blaues wasser und mitten drinn eine kleine rote nussschale, in der ein kleines maedchen geburtstag feiert. doch der salon ist geschmueckt und ingrid zaubert einen tollen kuchen mit kerzen und wir haben schoen verpackte geschenke. die grosse ueberraschung gibt es am abend ueber funk. viele, viele schiffe melden sich und wuenschen anna alles gut zum geburtstag. die gratulantenreihe will gar nicht aufhoeren, es sind sogar leute dabei, die nur anna kennt. alle wollen ihre glueckwuensche loswerden. so wird das ein schoener und hoffentlich unvergesslicher sechster geburtstag fuer unser jetzt schon so grosses maedchen.
 
auf dem weg richtung tonga liegt die winzige koralleninsel niue genau auf unserer kurslinie. das seehandbuch spricht von einem der besten tauchreviere der welt, freundlichen menschen, billigem neuseelaendischen bier und einem hundsmiserablen ankerplatz. trotzdem wollen wir einen kurzen zwischenstop wagen. nun, der kurze zwischenstop dauerte vierzehn tage aber wir konnten uns von der wunderbaren insel und seinen freundlichen und warmherzigen bewohnern einfach nicht losreisen.

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iue hat nur 1650 einwohner und jedes jahr werden es weniger, da viele junge leute die insel verlassen um arbeit in neuseeland zu finden. alles laeuft extrem gemuetlich und ruhig ab. die jedes jahr vorbeikommenden yachties sind da eine wirklich willkommene abwechslung. einzig das anlanden mit dem dinghi ist bei der kleinsten dünung ein gewagtes unternehmen. man fährt dazu an einen kleinen aber hohen betonsteg springt auf eine rutschige stiege und hebt mit einem kran das dinghi an land. diese aktion muss natürlich abgeschlossen sein bevor die nächste hohe welle kommt sonst landet man am felsigen ufer.

j
eden abend gibt es veranstaltungen, vom buffet mit einheimischen spezialitaeten bis zum grillabend des neu gegruendeten yachtclubs (natuerlich gibt es nur wenige einheimische fischerboote) und alles zu vernuenftigen preisen. wir fuehlen uns wie im paradies. wir feiern annas geburtstag nach (zweiundzwanzig gaeste auf der idemo, happy birthday wird feuchtfroehlich von neun verschiedenen nationen in acht verschiedenen sprachen gesungen – das schiff hat's ueberlebt und ist damit schwerwetter geprueft) und eilen von sundowner zu sundowner. die auf dem rolligen, dreissig meter tiefen ankerplatz liegenden gaeste, werden voll in das dorfleben integriert. wir yachties bilden ein eigenes team fuer's tauziehen beim dorffest und muessen eine klaegliche niederlage gegen die fuelligen polynesier hinnehmen. beim kokosnuss-wett-oeffnen sind wir gar nicht mehr angetreten. unglaublich, wie schnell man so eine nuss nur mit den zaehnen abschaelen kann. alle fuehlen sich pudelwohl und denken nicht ans weiterfahren. umberto von der EL HOLANDES ERANTES beschliesst sogar hier sesshaft zu werden. mit einem kranwagen will er sein kleines achtmeter langes schiff herausheben lassen und vor die ihm von den inselbewohnern zur verfuegung gestellte huette, stellen. er hat einen kleinen job bei der lokalen, woechentlich erscheinenden zeitung angenommen und ist grosser zuversicht hier gluecklich zu werden. vielleicht spielt dabei auch der umstand mit, dass man nach drei jahren aufenthalt in niue, automatisch eine unbefristete arbeitsgenehmigung fuer neuseeland bekommt, wer weiss?

die neuseelaenderin mary, ein echtes original, hat den umgekehrten weg genommen und ist vor zwanzig jahren hierher ausgewandert. nachdem ihr mann jedoch letzten winter gestorben ist, moechte sie wieder zurueck in ihre heimat und ihr mietwagen – taxi unternehmen steht zum verkauf. einige yachties haben zu rechnen begonnen und ueberlegt, ihre reise hier zu unterbrechen, doch soviel ich weiss hat keiner zugeschlagen und alofi rentals ist noch zu haben. fuer die von euch, die ein bisschen traeumen moechten, hier die website von mary: www.business4sale.co.nz und die von niue www.niueisland.com. ich glaube, der von ihr angegebene preis ist nur die aufforderung fuer ein gegenangebot, jedenfalls hat sie uns das mit einem augenzwinkern angedeutet.

wir erforschen die insel mit unseren fahrraedern (unsere Freunde von der MOONWALKER ein bisserl lässiger zu dritt auf dem motorrad), klettern in hoehlen herum und sind von der unterwasserwelt begeistert. sichtweiten um dreissig meter unter wasser und ein unglaublicher fischreichtum lassen uns kaum aus dem staunen kommen. diesen spass koennen uns auch die staendig praesenten wasserschlangen nicht verderben. wasserschlangen verfuegen ueber eines der wirksamsten natuerlichen gifte, grosser vorteil, ihr maul ist so klein, dass sie menschen kaum beissen koennen. laestig sind sie aber schon, denn scheinbar kennen sie keine scheu und sind neugierig. die schwarz-weiss gestreiften, bis zu einem meter grossen tiere schwimmen zielstrebig bis auf zwei meter heran und man ist sich nie sicher, ob nicht gerade dieses exemplar einen etwas mutierten, vergroesserten mund hat. als mir eine der schlangen im schmalen ausgang von einer unterwasserhoehle entgegenschwimmt, bin ich ziemlich schockiert. ruecksichtsvoll ueberlasse ich dem unheimlichen ding die vorfahrt und presse mich an die felswand. ich werde jedoch keines blickes gewuerdigt und die schwarz-weiss gestreifte "bestie" schwimmt seelenruhug an mir vorbei.

n
icht nur yachties sind gaeste auf niue. ein trupp "seabees" (= seebienen, sowas wie amerikanische marine-pioniere, die durch pazifikschlachten im 2.weltkrieg beruehmt wurden) soll aus uebungszwecken den vom letzten hurrican zerstoerten pier wieder aufbauen. die muskelbepackten und mit unzaehligen taetowierungen (kategorie bruellender tiger) verzierten burschen, scheinen auf der insel viel spass zu haben. die von ihnen veranstalteten parties sind legendaer und wir wundern uns wie sie am naechsten tag topfit mit uebermotorisierten kleinen landungsbooten zwischen den yachten wasserski fahren (das gibt’s scheinbar nicht nur im film). mit diesen aktivitaeten verscheuchen sie natuerlich die riesigen buckelwale, die sich jedes jahr vor der leekueste des rock of polynesia einfinden. trotzdem koennen wir die wunderbaren tiere beobachten. man kann ihre grossen grauen ruecken, den blas und den breiten schwanz immer wieder aus der bewegten see auftauchen sehen.

n
eben einer beträchtlichen anzahl von kirchen gibt es auch ein gefängniss auf niue. vor nicht all zu langer zeit gab es zwei häftlinge und einen wärter. laut erzählungen der einheimischen war einer der beiden häftlinge ein wüster geselle der neben raub und mord alle möglichen anderen delikte auf dem kerbholz hatte. wie üblich hat ihn die haft nicht wirklich verbessert, ganz im gegenteil er begann seinen mithäftling zu terrorisieren und den wärter mit mord zu bedrohen. da hatte er sich aber den falschen ausgesucht, denn eines nachts brechen bei dem braven aufseher die jahrelang aufgestauten agressionen durch und er erschlägt ihn im zorn. jetzt standen die dorfältersten vor dem problem, dass sie zwar noch immer zwei häftlinge aber keinen wärter mehr hatten. sie wussten sich aber schnell zu helfen, denn der neue häftling blieb auch wärter und bewacht jetzt sich und seinen kompagnion in personalunion. ein ausbruch aus dem gefängniss dürfte nicht besonders schwierig sein, denn als gefängnisstor dient ein einfacher schranken und in die gefängnisszellen begeben sich die häftlinge nur zum schlafen, wobei die türen nicht verschlossen werden. wohin sollten sie aber auch fliehen? die nächste insel ist viele hunderte meilen entfernt und niue selbst ist flach und überschaubar.

d
ie „haftanstallt“ betreibt einen gemüsegarten für die selbstversorgung, der überschuss aber wird verkauft. frischkost ist in niue bis zur ankunft des nächsten versirgungsschiffes absolute mangelware also radeln wir zum gefängniss und lernen dort den wärter/häftling pete kennen. der ist über unseren besuch sehr erfreut, bringt er doch etwas abwechslung in sein leben und in die geldbörse. pete führt uns durch sein gefängniss, zeigt uns seine zelle (natürlich mit pirelli-kallender!), den gemüsegarten und wir plaudern über die aufzucht von tomaten und salatpflanzen. bei der gemüserechnung zeigt er sich sehr großzügig und als wir mit vollbepackten rucksäcken richtung IDEMO radeln winkt er uns zum abschied.

a
uf der ueberfahrt nach tonga gibt es eine premiere auf der idemo. wir machen sashimi aus fangfrischem fisch. schon jahre vor unserer abfahrt habe ich von wirklich frischen sushi gesprochen, davon getraeumt am sonnenueberfluteten schiff zu sitzen und koestlichen rohen fisch zu verspeisen. als wir dann aber den ersten fisch aus dem wasser geholt haben und all das viele blut und das gemetzel am poopdeck erleben mussten, war diese idee schnell zur seite geschoben. als wir unsere bedenken anderen seglern erzaehlt haben, waren die ganz anderer meinung und haben auf uns eingeredet diesen genuss doch nicht zu versaeumen. wirklich ueberzeugt haben uns yuko und kuni von dem japanischen boot SARAH LA NOIRE, die muessen es ja schliesslich wissen. wir haben es also gewagt und den besten teil einer goldmakrele roh mit wasabi und sojasauce verspeist. ingrid hat beim aussnehmen des fisches nicht zugesehen, war daher nicht vorbelastet, anna war sowieso schlichtweg begeistert und ich habe versucht an etwas anderes zu denken und tapfer ein paar bissen hinuntergewuergt. wir werdens wiedermachen und vielleicht kommt dann ja auch fuer mich der genuss.

s
o nebenbei und unbemerkt ueberqueren wir die datumsgrenze. konnten wir uns bis jetzt mit jeder von osten her ueberschrittenen zeitzone um eine stunde juenger machen, wurden wir in einer stillen pazifiknacht poetzlich um einen tag aelter. immer wenn in niue die sonntagsglocken laueten, herrscht auf den bunten gemuesemaerkten von tonga schon rege betriebssamkeit, denn dort ist es schon montagmorgen. macht nichts, bis wir zuhause sind haben wir die verschwundenen 12 stunden wieder eingeholt und haben zumindest nichts verloren.
 
die letzte nacht der ueberfahrt wird noch spannend. anna klagt ueber zahnschmerzen. schon seit einer woche hatte sich einer ihrer schneidezaehne schwarz verfaerbt. wir haben dem keine bedeutung zugemessen, weil wir dachten, das waere eine normale reaktion auf einen wackeligen zahn. doch jetzt stehen wir da, ein kind mit zahnschmerzen und stark geschwollener oberlippe auf hoher see, noch eine tagesreise vom naechsten ort mit aeusserst fragwuerdiger zahnaerztlicher versorgung entfernt. da erinnern wir uns an robert von der EXPLORER. er ist amerikaner und was viel interessanter ist, zahnarzt. noch in niue hat er uns erzaehlt, dass sich sein zahnaerztliches betaetigungsfeld derzeit auf zaehneziehen beschraenkt. das ist genau das, was wir jetzt brauchen.  wir nehmen an, dass die EXPLORER irgendwo in der vavau-group vor anker liegt. daher segeln wir mit vollzeug richtung vavau, wollen mit dem ersten tageslicht in die inselgruppe einlaufen. ueber funk koennen wir die EXPLORER nicht erreichen, doch andere boote wissen wo sie ankert und dort duesen wir hin. schnell haben wir die situation erklaert und schon rueckt robert mit seiner zange an. zum glueck hat er auch eine spritze und schwupps ist der zahn draussen. anna hat sich tapfer gehalten, ein paar traenen gabs aber doch, dafuer hatte sie ihre zahnarztbehandlung unter freiem himmel im cockpit einer segelyacht. eine bezahlung lehnt robert ab, nimmt aber gerne ein paar filets unseres frisch gefangenen kingfish mit.
das koenigreich tonga besteht aus einer unzahl von winzigen trauminseln. weisse sandstraende saeumen gruene inseln mit vielen sicheren ankerplaetzen. hier kann man sich so richtig wohl fuehlen. die menschen sind freundlich und sehr traditionell. ueberall sieht man noch maenner und frauen mit den traditionellen tuvalas (wickelroecke aus baumrindenstoff). diese tapas-roecke werden nicht nur zu speziellen anlaessen getragen, sondern sind bestandteil einer lebendigen kultur. das gibt ein buntes und fuer uns exotisch wirkendes strassenbild.

aber nicht nur uns gefaellt tonga so gut. alleine in der vavau group gibt es drei oesterreichische aussteiger. in neiafu lernen wir "kipferl-joe" kennen, einen baecker aus wagrein. er geniesst das leben hier, macht salzstangerln und das beste brot im suedpazifik (ausserdem verdanken wir ihm fuenf kilo vollkorn-roggenmehl, die uns in die glueckliche lage versetzen, wieder echtes schwarzbrot auf der IDEMO zu backen). nicht weit vom "kipferl-joe" entfernt, auf einer winzigen insel mit wunderbarem korallenriff, betreibt bernie aus der steiermark ein kleines "hotel" mit restaurant (http://www.popao.net/). taeglich gibt es bei ihm rindssuppe, zwiebelrostbraten (kommentar eines amerikaners "a little bit overcooked") und palatschinken (=austrian style pancake). auf einer weiteren insel gibt es ein oesterreichisches paerchen mit restaurant, wir verbeissen uns allerdings einen weiteren inflationaeren besuch, da wir uns das menue sowieso nicht leisten koennen.

am sonntag ist ganz tonga im tiefschlaf. per gesetz ist es verboten zu arbeiten, ja nicht einmal schwimmen darf man. nur der weg in eine der unzaehligen kirchen ist erlaubt. dort geht es dann dafuer um so lauter und schwungvoller zu. in mehrstimmigen choeren werden rhytmische kirchenlieder gesungen, dies mit einer professionellen perfektion, die auf jahreslanges ueben schliessen laesst. der kirchenbesuch in der "hauptstadt" wird fuer uns zum echten erlebnis, wippend und tippend wuerde ich gerne mitsingen, unterlasse das aber, was fuer die qualitaet des gesangs sicher von vorteil ist.

hier in nukualofa liegen wir direkt vor dem koenigspalast. koenig tupou IV. ruehmt sich uebrigens der schwerste monarch der welt zu sein und der, der am hoechsten springen kann. er ist halter des tonganischen stabhochsprungrekordes. allerdings wurden seit jahren keine wettbewerbe mehr ausgetragen, ob da der koenig dahintersteckt?

tonga ist die letzte station unseres suedsee-abenteuers. mit anfang november beginnt die saison der wirbelstuerme und wir wollen diese zeit in einem sicheren hafen in neuseeland verbringen. den toern dorthin hin muessen wir ohne die unterstuetzung unserer liebgewonnenen passatwinde bestreiten und die temperaturen werden erstmals wieder empfindlich fallen. 


wir melden uns bald wieder!
 
 
anna, ingrid und robert
an bord idemo
dzt. nukualofa, kingdom of tonga
november 2002
 
 

 
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